Kantonspolizei Zürich und DAN kooperieren zum Wohle der Tauchsicherheit



Oberrieden, 23. März 2016, - Dreiundzwanzig Polizeitaucherinnen und -taucher des Ausbildungszentrums für Polizeitaucher (AZPT) der Kantonalen Seepolizei in Oberrieden begaben sich letzten Samstag, am sonnigen Vormittag, in das kalte Wasser des Zürichsees. Ihr Einsatz war dabei nicht alltäglich, sondern galt der Unterstützung eines großangelegten Forschungsprojekts des Divers Alert Networks (DAN) Europe.

Dazu fuhren die in vier Gruppen eingeteilten, in ihre Trockentauchanzüge gekleideten Taucher mit dem Polizeiboot auf den See hinaus und führten ihre etwa 45-minütigen Tauchgänge durch. Zuvor nahmen die Wissenschaftler von DAN Research biologische Proben der Taucher wie Urin zur Untersuchung des Hydratationszustandes und einen DNA-Abstrich der Mundschleimhaut für anschließende genetische Untersuchungen. Zur Beurteilung der durch den Tauchgang veränderten Thermoregulation, also der Verteilung der Körperwärme, wurde jeder der Taucher vor und nach seinem Tauchgang mit einer Thermokamera, die die Wärmeverteilung im Körper sichtbar macht, fotografiert. Nach den Tauchgängen wurden die Tauchprofile der Taucher von ihren Tauchcomputern heruntergeladen und zur statistischen Auswertung in die DAN-Forschungsdatenbank eingelesen. Desweiteren wurden nach dem Tauchen Doppler-Untersuchungen am Herz der Taucher gemacht.

DAN Europe ist eine gemeinnützige und einer von fünf Verbündeten des Dachverbandes International DAN (DAN Southern Africa, DAN US, DAN Japan and DAN Asia-Pacific). Gemeinsam arbeiten sie an tauchphysiologischer Forschung und Tauchmedizin weltweit. DAN berät verunfallte Taucher über eine medizinische Hotline und unterhält ein Druckkammer-Netzwerk. Taucher - Gerätetaucher wie Freitaucher - können sich beim Divers Alert Network unfallversichern und genießen damit weltweite Abdeckung und medizinische Versorgung wie Evakuierung und Druckkammerbehandlungen.

Eine weitere Untersuchung der DAN Europe Wissenschaftler, die Aufschluss darüber gibt, ob ein Taucher Stickstoffbläschen in seinem Blutgefäßsystem hat, ist die Doppler-Untersuchung. Die Taucher wurden dazu nach ihrem Tauchgang von Massimo Pieri, DAN Researcher, untersucht. Die Doppler-Untersuchung ist eine gute Methode, mit der sich Taucher recht schnell in „Bubbler", „low-grade Bubbler", „high-grade Bubbler" und „Non-Bubbler" unterscheiden lassen. Taucher, in deren Gefäßsystem Stickstoffbläschen detektiert werden, haben ein höheres DCS-Risiko und sollten konservativer tauchen als andere.

Etwa zur Mittagszeit und nach Abschluss der Tauchgänge, der Entnahme der Proben und anderen Untersuchungen konnten sich alle Beteiligten an einem von der Kantonspolizei organisierten Barbecue stärken. Am Nachmittag öffnete die Seepolizei die Türen ihres Stützpunktes für die interessierte Öffentlichkeit für Vorträge über Tauchunfallstatistiken und aktuelle Tauchforschungsprojekte. Etwa 60 Besucher erhielten auf diese Weise interessante Informationen über die aktuellen Forschungsarbeiten von DAN Europe und konnten sich über Versicherungsoptionen und freiwillige Teilnahme an künftigen Projekten informieren.

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Besucher die Möglichkeit, sowohl den Polizeitauchern als auch den Mitarbeitern und Wissenschaftlern von DAN Europe noch sie bewegende Fragen zu stellen.


Dekompressionskrankheit (DCS)
Die Dekompressionskrankheit (DCS), auch bekannt als Caissonkrankheit, ist eine gefürchtete, durch konservatives Tauchen jedoch kontrollierbare Gefahr beim Tauchen. Beim Aufstieg in den Geweben ausperlende Stickstoffbläschen können Blutgefäße und Nervenbahnen blockieren und damit Symptome erzeugen, die einer Druckkammerbehandlung bedürfen. Im schlimmsten Fall können solche Stickstoffbläschen tödliche Folgen haben oder bleibende Lähmungen und andere Schäden hervorrufen. Leichte Fälle beschränken sich auf Hautrötungen, Gelenkschmerzen und Kribbeln. Mit dem Einzug von Tauchcomputern sind die Fälle von Dekompressionserkrankungen zwar geringer geworden, dennoch treten DCS-Fälle auf, die sich nicht immer durch das Fehlverhalten des Tauchers erklären lassen. Das lässt darauf schließen, dass es eine individuelle Komponente für das Dekompressionsrisiko gibt. Bekannt ist den Tauchmedizinern schon seit langem, dass individuelle physiologische und genetische Faktoren eine Rolle spielen. Das Feld der Tauchforschung ist hier weit: Taucher mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, hohen Cholesterinwerten u.v.m. sowie den Einfluss von eingenommenen Medikamenten gilt es in diesem Rahmen zu beurteilen.

Kalkuliertes Risiko – Diving Safety Guardian (DSG)
DAN Europe sammelt in seiner Forschungs-Datenbank, dem Diving Safety Laboratory (DSL), medizinische und andere persönliche Daten von Tauchern sowie deren Tauchprofil. Das DSL wurde von den DAN Europe Wissenschaftlern unlängst durch ein neues Tool erweitert: dem DSG, dem Diving Safety Guardian.

Jeder Taucher, der sich auf der Webseite www.daneuropedsl.org registriert, kann seine Tauchprofile von seinem Tauchcomputer in die DSL-Datenbank hochladen und erhält eine Analyse seines persönlichen Dekompressionsrisikos errechnet. Manch einer mag sich jetzt fragen, warum der eigene Tauchcomputer dazu nicht ausreicht. Tauchcomputer folgen unterschiedlichen Einstellungen, die man selbst einstellt, die einen sind konservativer als die anderen. Auch zwischen den Tauchcomputer-Hersteller variieren die Kalkulationen ein wenig. DAN Europe's Diving Safety Guardian gibt entweder grünes, rotes oder gelbes Licht in Form eines Emoticons - also eine Art Rückmeldung, wie risikoreich oder -arm der Tauchgang war. Das DSG gibt demnach Feedback zum eigenen Tauchverhalten. Zeigt das DSG häufig ein rotes Emoticon, sollte man gegebenenfalls seinen Tauchcomputer auf die konservativste Einstellung setzen; denn was fünfmal gutgegangen ist, kann beim sechsten Mal auch mal schief gehen.

Kantonspolizei
Die Seepolizei der Kantonspolizei Zürich, mit Stützpunkt in Oberrieden am Zürichsee, ist ein Teil der Verkehrspolizei. Sie überwacht den Verkehr auf dem Wasser und kommt mitunter in der ganzen Schweiz bei schwierigen Such- und Bergungsaktionen zum Einsatz.

Die Seepolizei koordiniert Einsätze der Seerettungsdienste und Feuerwehren bei Ereignissen auf und in Gewässern und unterstützt benachbarte Polizeikorps bei Großanlässen. Sie pflegt engen Kontakt zum kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft sowie zur Fischereiaufsicht und kontrolliert die Einhaltung der Umwelt- und Fischerei-Vorschriften im ganzen Kanton. Die kantonale Seepolizei führt weiter die Taucherausbildung im Rahmen des Ausbildungszentrums für Polizeitaucher der 12 angeschlossenen Polizeikorps aus der Ost- und Zentralschweiz durch. Auf Antrag unternimmt sie Such- und Bergungsaktionen mit speziellen Schiffen, welche mit einer Unterwasserkamera oder einer Sonaranlage ausgerüstet sind.

Steckbrief Zürichsee (Schweiz)
Maximale Länge: 42 km
Maximale Breite: 3,85 km
Durchschnittstiefe: 49 Meter
Maximale Tiefe: 136 Meter
406 m ü. M.

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Kontakt Seepolizei
Kantonale Seepolizei
Seestrasse 87
8942 Oberrieden
Telefon +41 44 722 58 00
Fax +41 44 720 74 06

Pressekontakt DAN Europe
Cristian Pellegrini
cpellegrini@daneurope.org

Weitere Informationen über die Sicherheitskampagnen und Forschungsprojekte der DAN Europe Foundation: www.daneurope.org